"Zu wenig Zeit für Entspannung"
AARAU Dr. med. Rolf Victor Heim gibt Yogakurse an der
Kampfsportschule
Dr. med. Rolf Victor Heim gibt neben seiner
Tätigkeit als Psychiater, auch Yogaunterricht an der Kampfsportschule in
Aarau. Der Psychiater erklärt im Interview die Wichtigkeit der richtigen
Entspannung.
Wie sind Sie als Psychiater, Yogalehrer geworden?
Ich bin mit Yoga aufgewachsen und habe mit 20
Jahren begonnen Yoga selbst zu unterrichten. Früher unterrichtete ich in St.
Gallen und heute an der Kampfsportschule in Aarau.
Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?
Dieter Lüscher von der Kampfsportschule hat mich angefragt, ob ich an der
Kampfsportschule unterrichten möchte, da er als Ergänzung zum Kampfsport
auch im meditativen Bereich ein Angebot anbieten wollte.
Wie kann man sich eine Yogastunde vorstellen?
Nach ein paar einleitenden Worten zu einem bestimmten Yogathema folgt ein
Block mit Atemübungen. Dabei ist es wichtig, dass die Kursbesucher lernen
mit ihrer ganzen Lunge zu atmen. Dann folgt der Hauptteil mit verschiedenen
Übungen, wo darauf geachtet wird, dass die verschiedenen Körperpartien
miteinbezogen werden. Dabei geht es um die Kraftentwicklung, um die Dehnung
und die Durchblutungsförderung in den inneren Organen. Zum Abschluss macht
man einen Kopfstand oder eine Kerze, um das Herz zu entlasten.
Sie sind auch bekannt als Burnout-Spezialist. Was
empfehlen Sie Ihren Burnout-Patienten?
Bei den meisten Burnout-Patienten ist das Vorgehen
sehr ähnlich, denn die meisten Personen haben das Problem, sich für die
Entspannung zu wenig Zeit zu nehmen und die Prioritäten falsch zu setzen.
Aufgrund des hohen Stresslevels wissen sie nicht mehr, wie sie sich richtig
entspannen können. Beim ersten Schritt wird der Arbeitsplatz betrachtet, ob
dieser gut strukturiert und organisiert ist. Viel Stress entsteht durch
schlechte Organisation. Wenn zu viele Arbeitsinhalte auf einzelne Leute
verteilt werden, bringt es nichts, wenn eine Person gut entspannen
kann, denn die Arbeit ist noch immer zu viel und die Erwartungen nicht
realistisch!
Was ist der zweite Schritt?
Beim zweiten Schritt wird das Privatleben des Patienten beleuchtet: Besucht
die Person noch eine Weiterbildung, ist sie in Vereinen tätig, hat sie
zeitintensive Hobbys, pflegt sie jemanden zu Hause etc. Gerade Frauen haben
oftmals mit Kindern, Haushalt und Arbeit eine Dreifachbelastung. In beiden
Bereichen findet nun eine Reduktion von Aufgaben statt. Danach findet eine
Neuverteilung der gewonnenen Zeit statt. Diese Zeit soll nun sinnvoll
genutzt werden. Viele Menschen können nicht mehr entspannen.
Da empfehlen Sie Yoga?
Nicht nur. In die gewonnene Zeit gehören Sport, soziale Kontakte,
private Zeit (alleine), Familie und Partnerschaft und der
Entspannungsbereich. Im Entspannungsbereich empfehle ich nicht
ausschliesslich Yoga, dies kann auch Qi Gong, Thai-Chi etc. sein. Es sollte
eine Form sein, wo Körper und Seele zusammen genutzt werden.
Wieso haben wir immer mehr Personen mit
Burnout-Symptomen, wie Schlafstörungen oder einem effektiven Burnout?
Die meisten Personen achten heute zu wenig auf ihre Energie, sie geben die
Energie einfach aus und merken Monate oder manchmal auch Jahre später, dass
sie mehr Energie ausgegeben haben, als sie regenerieren können.
Wieso nutzen wir die Energie falsch?
Dies hat die Gründe in der Entwicklung unserer Kultur, durch die starke
Vertechnisierung, die den normalen Zeitrahmen aufhebt. Durch das Internet
kann man sich heute zu jeder Zeit und rund um die Uhr informieren etc.
Ebenso erwartet ein Email Schreiber heute eine schnelle Antwort und dasselbe
über’s Natel.
Wie lange braucht man beim Yoga, um
sich zu regenerieren?
Wenn man geübt ist, reichen fünf Minuten zur Erholung und das kürzeste ist
ein Atemzug. Das ist auch interessant, denn für Personen ist es
selbstverständlich, dass man sich innerhalb einer Sekunde sehr über etwas
aufregen kann, aber die wenigsten sind sich bewusst, dass es auf der
Entspannungsseite ebenso schnell möglich ist.
Interview: Mirjam Meier
Neuer Anfängerkurs in Aarau: Beginn: Montag, 26.
April 2010 um 19 Uhr. Ort: Turnhalle Aareschulhaus Aarau. Lehrer: Dr. med.
Rolf V. Heim und Liselotte Pfister. |